13. August 2009 - Von Bianca in Entwicklung, Gerüchte, News, Office, Unternehmen | Beitrag Seperat Öffnen
Im Patentrechtsstreit Microsoft versus i4i äußerte sich nun der i4i-Vorsitzende Loudon Owen zum Thema. Wie die CNET berichtet, betont Owen, dass er Word nicht aus den Geschäftsregalen haben will, er selbst nutze Word und das komplette Office-Paket jeden Tag. “Wir versuchen nicht, Microsofts Business zu stoppen, und wir wollen uns nicht bei all den Word-Usern da draußen einmischen”, meint er. Die Regelung gelte ja auch nur für Word-Versionen mit XML-Technologie. Es sei ein folgenschweres, aber ein hartes Urteil.
Owen würde sich freuen, wenn Word ohne die Technologie herauskäme: “Die Verfügung besagt nicht, dass es kein Word mehr geben darf. Das ist nicht unsere Absicht und das wäre kein vernünftiges Mittel.” Das Unternehmen i4i gibt es seit 1993 und es hat zirka 30 Mitarbeiter. Namhafte Kunden aus dem Pharmabereich werden hier betreut; darunter etwa Bayer oder Biogen. An dem Patent tüftelte i4i seit 1994, bis es 1998 genehmigt wurde.
Owen reagiert scherzhaft auf die Frage, ob für ihn eine Zusammenarbeit mit Microsoft möglich sei: “Microsoft ist zu groß, als dass wir es kaufen könnten.” Ernsthafter erklärt er weiter: “Wir sind immer bereit, uns mit guten Partnern zusammenzuschließen, egal wer das ist.” Erfahrungen in Verhandlungen mit Microsoft hat Owen jedenfalls: Als Mitbegründer von Mclean Watson, eine Firma, die im Hintergrund von i4i steht, hat er bei den Verhandlungen der Firma Softimage mitgewirkt, die seit 1994 zu Microsoft gehört.
Es gibt auch schon erste Verschwörungstheorien: Laut betanews.com hätten einige pharmazeutische Hauptkunden von i4i Microsoft den öffentlichen Umgang mit dem XML-Format geradezu aufgeschwatzt. Dazu gibt betanews einige Beispielseiten bekannt:
XML wurde gestaltet, um mehr Menschen den Zugang und die Verarbeitung von Dokumenten zu ermöglichen - sehr vereinfacht und in aller Kürze ausgedrückt. i4i sagt in einem das Patent betreffenden Beitrag, den betanews.com zitiert, es sei nicht erlaubt, in das Format einzugreifen. Ein anderes Zitat von Microsoft von kurz vor der Veröffentlichung von Office 2003 besagt, Word-Dokumente können gezippt werden und der Empfänger könne es im gewünschten Format entpacken. Also: Manipulation von i4i verboten - Microsoft empfiehlt aber keine Manipulation, sondern spricht vom Format ver- und entpacken. Betanews.com sieht das als riesigen und wichtigen Unterschied.
Der Autor des Beitrags betont, er sei kein Patent-Experte, sehe dort aber keinerlei Patentrechtsverletzung seitens Microsoft. Microsoft jedenfalls betont, man wolle definitiv in Berufung gehen. Wie seht ihr das? Haben die Redmonder dabei gute Chancen oder wurde wirklich das Patentrecht verletzt? Hat die Tatsache, dass Pharma-Unternehmen extrem involviert waren, etwas mit dem ganzen Rechtsstreit zu tun oder kann das Zufall sein?
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Ich dachte bisher immer, dass der Vorgänger von XML (SGML) von IBM entwickelt wurde. Und HTML und XML gelten doch eigentlich nur als Ableitung oder Dialekt von SGML. Hat IBM keine Patente darauf angemeldet? Oder ist i4i (eye for eye = Auge um Auge?) nur ein Patenttroll in Sachen XML?
Wo genau soll denn bei XML die Patentverletzung überhaupt liegen?
Hallo zusammen,
ich hab mich jetzt noch mal genau umgeschaut. Es geht darum, dass die Erweiterung .xml, .docx und .docm per Tagging-Technologie eingesetzt werden können. Auf die Tagging-Techniken habe i4i das Patent angemeldet, wogegen Microsoft verstoßen solle.
Das „Customized XML“ ist von i4i patentiert: Benutzerdefiniertes XML, sozusagen. Etwas blöd: Das “X” in XML steht bereits für benutzerdefiniertes XML. Aber gut… Es meint jedenfalls nicht die direkte Anwendung, sondern alles, was mit der Anwendung zusammenhängt; wie das Wandeln in andere Formate. Also der komplette Apparat im Zusammenhang mit der eigentlichen Anwendung. In diesem Zusammenhang eben auch das im Beitrag erwähnte Ver- und Entpacken der XML-Dateien, die dann im Zusammenhang mit der kompletten Anwendung - Word - im gewünschten Format - .xml, .docx, .docm - entpackt werden können.
So, jetzt wird’s verwirrend: Microsoft hat seit 2004 ein Patent (http://patft.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO2&Sect2=HITOFF&u=/netahtml/search-adv.htm&r=9&p=1&f=G&l=50&d=ptxt&S1=Microsoft.ASNM.&OS=AN/Microsoft&RS=AN/Microsoft)auf “XML script automation”. Multiple Dokumente dürfen damit entpackt werden und in ein Einzeldokument zusammengefasst werden. Dazu sagte Marc Martin, Microsoft Unternehmenssprecher: “While the XML standard itself is royalty free, nothing precludes a company from seeking patent protection for a specific software implementation that incorporates elements of XML.” (Quelle: http://www.internetnews.com/dev-news/article.php/3312091) Weiter heißt es in diesem Beitrag, dass das Patent die Verwendung von XML in Word inkludiert.
Etwas Ärger, beziehungsweise Frust, bekam Microsoft im Jahre 2005, als man weiter patentierte, dass Objekte in XML eingebunden werden könnten. Wookey, ein Linux-Entwickler, kommentierte, es könne nicht sein, dass Microsoft etwas patentiert, was jedem US-Unternehmen zustünde, weil XML offen sei (Quelle: http://news.zdnet.co.uk/software/0,1000000121,39200357,00.htm).
Weiter geht die Verwirrung: Ein Patentantrag von 2004 von Microsoft wurde am 04. August 2009 zugesprochen (http://patft.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO1&Sect2=HITOFF&d=PALL&p=1&u=%2Fnetahtml%2FPTO%2Fsrchnum.htm&r=1&f=G&l=50&s1=7,571,169.PN.&OS=PN/7,571,169&RS=PN/7,571,169). Das komplette Patent beschreibt die ZDNet recht gut: http://www.zdnet.de/news/wirtschaft_investition_software_microsoft_erhaelt_patent_fuer_xml_einsatz_in_der_textverarbeitung_story-39001022-41501148-1.htm
Kurzum: Eigentlich ist XML offen. Eigentlich besitzt Microsoft genügend eigene Patente auf das offene XML. Aber: i4i hat die Tagging-Technik patentiert und daran liegts. Es geht um die Möglichkeit, die Dokumente in andere Formate zu wandeln - das verstoße gegen das Patent.
Meinungen zu diesem Chaos?
Das kann doch OpenOffice auch. Dort kann man allerdings nichts rausklagen, da es frei ist.
Das alles erinnert mich irgendwie an SCO’s chaotische Klagen mit unzähligen Erklärungen, Dementi und Gegendementi gegen die Linux Community. Da wurden selbst Anwender ganz massiv unter Druck gesetzt und am Ende wurde klar, es war wohl der letzte verzweifelte Versuch, frisches Geld in die verzockten SCO Kassen zu bekommen… nun ja, mit wenig Erfolg. Ich bin weiß Gott kein unkritischer Anwender, das aber riecht verflixt nach Patenttrolling!
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1. André Reichelt schrieb am 13. August 2009 um 23:29
Langsam: Diese Firma hat ein Panent auf XML, richtig? Microsoft hat nun bekanntermaßen docx geschaffen, dass auf XML basiert. Dem Unternehmen passt es aber nicht, dass die XML-Dateien komprimiert werden?
Wenn das jetzt alles stimmt: Sind die noch ganz bei Trost?